Das Bobath-Konzept

In den fünfziger Jahren entwickelte die Physiotherapeutin Berta Bobath durch die Beobachtung und Behandlung zerebral gestörter Säuglinge Therapiemethoden, um die motorische Entwicklung dieser Kinder zu fördern. Ihr Mann Karel (Neurophysiologe) bemühte sich um die wissenschaftliche Verifizierung ihrer Thesen. Recht bald wurde das Konzept auf erwachsene Zerebralgeschädigte und vor allem Schlaganfall-Patienten übertragen.

Ziel ist, dass durch das Wiedererlernen der posturalen Kontrolle (unter dem Einfluss der Schwerkraft eine aufrechte Körperposition beizubehalten) und Flexibilität des Gehirns, die physiologischen Bewegungsabläufe wiedererlernt werden.

Das Therapie-Konzept setzt sich im Wesentlichen aus dem Zusammenwirken folgender fünf Bereiche zusammen:

  • Das Central-Set: Die Gestaltung der für die Patienten therapeutisch günstigsten Rahmenbedingungen (Central-Set) erleichtert es ihm, die notwendigen Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten und Bewegungen neu bzw. erneut zu erlernen.
  • Das Muskel-System: Wesentliche Voraussetzungen für das Aufrichten gegen die Schwerkraft, das Bewegen und das (Wieder-) Erlernen von Bewegungen sind ein möglichst normaler Muskeltonus, eine ausreichende Dehnfähigkeit der Muskulatur und die Möglichkeit, Gelenke und Körperabschnitte in eine biomechanische optimale Position zu bringen. Die verschiedenen Faktoren können sich wechselseitig beeinflussen.
  • Sensibilität und Wahrnehmung sind wichtige Voraussetzungen für eine ökonomische Bewegung.
  • Gleichgewicht und Kontrolle gegen die Schwerkraft sind weitere wichtige Bestandteile für jede Bewegung
  • 24-Stunden-Management: Die Therapie der zentralen Störung nach dem Bobath-Konzept ist nicht isolierte Aufgabe des jeweiligen Physiotherapeuten. Pflege, Ergo-Therapeuten, Logopäden und Angehörige sind in dieses Konzept mit eingebunden.